Endlich war es wieder soweit. Am 26. Juli 2010 starteten wir Pfadfinder vom Stamm Haslach zu unserem alljährlichen Stammeslager. Der Zeltlagerplatz in Naturns war unser Ziel. Dort wollten 25 Wölflinge, Jungpfadfinder, Pfadfinder, Rover und Leiter gemeinsam eine spannende Woche verbringen. Während sich unsere Kleinen in der klimatisierten Vinschgerbahn fortbewegten, strampelten zehn Pfadis und Rover schwitzend mit ihren Drahteseln von Haslach über die Töll nach Naturns. Auf der Radelfahrt zeichnete sich Michael durch besondere Kondition aus und wurde mit dem Button der „1. Tour de Vinschgau“ prämiert. Nadja erntete dafür schallendes Gelächter, als sie samt ihrem Mountainbike Bekanntschaft mit einer Straßenstange machte.
Auf dem Lagerplatz angekommen wurde sofort alles erkundet und mit dem Aufbau der Schlaf- und Aufenthaltsjurten begonnen, die Kochstelle eingerichtet und ein vier Meter hoher „Forstgarniturenhochstand“ aufgestellt. Dieser überaus kreative Lagerbau wurde während unseres Aufenthaltes vor allem fürs Watten, das „Ohne Furcht und Adel“ von Andi, sowie die abendlichen Leiterrunden genutzt.
Seit langem wurde uns das Ausheben der berühmt berüchtigten „Spatzlgrube“ erspart. Speisereste landeten heuer direkt im Schlund unseres lebendigen Müllschluckers Ralph. Auch das Aufstellen der Toilettenhäuschen war unnötig, da der Platz bereits über solche verfügte. Was für einige von uns ein etwas hygienischeres Zeltlager versprach, war für andere ein Stilbruch im Lagerleben eines waschechten Pfadfinders. Den Gang mit Schaufel und Klopapier in den nahegelegenen Wald ließen sich Eschli und Ralph nicht nehmen. Selbst Sammy, unser jüngster Wölfling, übte das „Freelander setzten“, um seinen Leitervorbildern in nichts nachstehen zu müssen.
Gleich zu Beginn der Woche starteten wir zur Höfewanderung auf den Nörderberg. Bei herrlichem Sonnenschein marschierten wir von Hof zu Hof. Die Tollwutwarnung gleich zu Beginn des „Jesus Besinnungsweges“ hielt die wenigsten von uns davon ab, sich mit Walderdbeeren den Bauch vollzuschlagen. Während alle fleißig am Naschen waren, sammelte Sabine einen ganzen Eimer voll von kleinen süßen Tollwuterdbeeren. Abends landeten diese als Delikatessenmarmelade in den fast 100 Omeletten, welche wir gemeinsam verspeisten.
Jeden Abend ließen wir den Tag beim flackernden Lagerfeuer ausklingen. Gemeinsam blickten wir auf den vergangenen Tag zurück und belohnten besondere Leistungen durch einen Button. So wurden der Ritter ohne Furcht und Adel, der Pfadfinder, die Schwimmratte oder der Bergsteiger des Tages ausgezeichnet.
Solos wie „Moskau“ oder „Wind of change“ von Schmi Schma Schmaikol und spannende „Nächte in Palermo“ lieferten unvergessliche Augenblicke und hitzige Diskussionen.
Nachdem sich alle in ihre Schlafsäcke verkrochen hatten, dauerte es meist nicht lange, und die wohlverdiente Nachtruhe wurde gestört. Knaller, bunter Rauch und verschleppte Wölflinge ließen erahnen, dass sich ungebetene Gäste in unserer unmittelbaren Nähe aufhielten. Alle wieder raus aus den Jurten! Überfall! Bis in die Morgenstunden waren wir damit beschäftigt die Übeltäter zu finden und gefangen zu nehmen. Pfadfinder von den Stämmen Eppan, Bruneck und sogar Haslach wurden mit Wasser und Mehl bearbeitet, da sie unseren Schlaf gestört hatten.
Ein paar Stunden später, während wir uns noch im Schlafsack umdrehen durften, waren Marion und Nadja bereits mit den Fahrrädern im Dorf, um frisches Brot zu holen. Auch die Kochgruppe des Frühstücksdienstes war schon wach und fleißig beim Kakao kochen und Nutella streichen.
Zur Morgenbesinnung krochen dann langsam alle aus den Jurten. Mit dem Tiachl um den Hals lauschten wir einer Geschichte und erfuhren, was auf dem Programm stand: die Pfadfinderolympiade, ein Tag im Erlebnisbad mit Wettspielen, sowie ein Dorfspiel mit einer erlebnisreichen Schatzsuche, welche im Schlamm des angrenzenden Baches endete. Mit bloßen Händen gruben alle gemeinsam ein mit Ketten verschlossenes Fass aus dem Bachbett aus, um an den wertvollen Schatz zu kommen: Süßigkeiten! Und weil es im Schlamm so schön war, wollten alle wieder rein. Nur dieses mal mit etwas „mehr Niveau“. Der Bach wurde kurzerhand aufgestaut und ein Floß errichtet. Besonders begehrt waren auf dem diesjährigen Stammeslager die Slackline von Ponte und das selbstgebastelte „Kub“, ein Spiel aus der Zeit der Wikinger. Kinder und Leiter duellierten sich in jeder freien Minute im Werfen von Holzstäben auf einem eingezeichneten Feld. Zu den Highlights auf unserem Speiseplan zählten mit Sicherheit die Hamburger aus dem Hause Mc Pfadi ( I`m lovin` it), das Würstelbraten am Stock über dem Feuer und der Lochbraten, den kein Gourmetkoch besser hingekriegt hätte.
Der Besuch der Churburg blieb den Wölflingen und Jungpfadfindern vorbehalten, der Rest der Truppe wurde mit den Fahrrädern auf Hike geschickt. Es galt dabei in zwei Gruppen jeweils 10 Dörfer im Vinschgau zu besuchen und deren Kirchturm abzuzeichnen. Nur mit dem nötigsten bepackt machten sich die Pfadfinder und Rover auf den Weg, ihre Aufgabe zu erfüllen.
Als alle wohlbehalten ins Lager zurückgekommen waren, feierten wir mit unserem Kurat Pater Peter eine Feldmesse und dankten für diese erlebnisreiche gemeinsame Zeit.
Abends war es dann endlich soweit. Gesichter wurden gewaschen, Zähne geputzt und Füße vom sich angesammelten Schmutz der gesamten Woche befreit. Die Kluften zugeknöpft und die Tiachlen ordentlich über den Kragen gelegt. Die gesamte Leiterrunde hat sich an diesem sehr feierlichen Abend auf dem Zeltlagerplatz in Naturns versammelt, wo in der Jurte, Wölflinge, Jungpfadfinder und Pfadfinder vor Gott, ihren Mitmenschen und sich selbst das Versprechen ablegten.
Und so ging unser Lager dem Ende zu. Eine Woche in der wir soviel erlebt und gelernt haben.
Müde, schmutzig, aber sehr glücklich und mit vielen neuen, unbezahlbaren Erinnerungen und Erfahrungen verabschiedeten wir uns voneinander und wünschen allen einen „Gut Pfad“.